Im Nordwesten der Hauptstadt Windhoek liegt der Stadtteil Katutura. Der Name bedeutet "der Ort, an dem wir nicht sein wollen" - die schwarze Bevölkerung wurde zu Zeiten der Apartheid hierhin zwangsumgesiedelt.
Heute ist Katutura einer der Orte mit der höchsten AIDS-Sterberate. Gräber werden "auf Vorrat" in den steinigen Boden getrieben.
Doch auch auf dem Land - besonders im bevölkerungsreichen Norden Namibias - greift die Seuche um sich. Bereits 160.000 Kinder (nahezu 10% der gesamten Bevölkerung) haben ihre Eltern verloren und sind emotional und wirtschaftlich auf sich gestellt.
Sie leben in sogenannten "Kinderfamilien" und können oftmals keine Schule besuchen, weil sie für ihren Lebensunterhalt sorgen müssen und ihnen weder Schulgeld noch Schulkleidung zur Verfügung stehen.
Auch Kinder, die Halbwaisen sind, leben oft allein, weil der verbliebene Elternteil in einer der größeren Städte Arbeit gefunden hat.
Die typischen Homesteads der Landbevölkerung - weit verstreut liegende Gehöfte mit zahlreichen Hütten und Lagerhäusern - wurden einst für Großfamilien mit bis zu 20 Mitgliedern errichtet.
In vielen leben nur noch wenige Kinder, die von entfernten Verwandten unterstützt werden.
Hütten und Speicher verfallen.
Die verbliebenen Bewohner sind auf Unterstützung durch die Hilfsorganisationen angewiesen.
Der älteste Junge einer Kinderfamilie gilt als Familienoberhaupt und ist mit dieser Sorge und Verantwortung oft überfordert.
Doch es gibt auch optimistisch stimmende Bilder. Dieser Jugendliche lebt mit seiner Schwester und einem Cousin auf einem eigenen Gehöft. Mit Hilfe von Spenden wird das Schulgeld und die Kleidung der Kinder finanziert.
Freiwillige Helfer unterstützen die Großmutter, die sich gelegentlich von ihrem 5 km entfernten Hof aufmacht, um nach den Kindern zu sehen.
Zur Schule zu gehen, bedeutet besonders den Waisenkindern sehr viel. Sie wollen sich wie alle anderen in der Gemeinschaft bewegen, am Spiel teilhaben, etwas lernen und stolz darauf sein.
Die Lehrer sind zudem oft die einzigen Erwachsenen, die sich ihre Sorgen anhören und ihnen Zuspruch geben können.
In einigen Gemeindezentren - wie hier in Katutura, dem ehemaligen schwarzen Township der Hauptstadt Windhoek - können registrierte Waisen und hilfsbedürftige Kinder ein Nachmittagsprogramm besuchen.
Hier bekommen die Kinder eine warme Mahlzeit und können bedürftige Familienmitglieder mitversorgen. Die Mitarbeiter rekrutieren sich ebenfalls aus Klienten des Zentrums, die auf diese Weise ihren Lebensunterhalt verdienen können.
Freiwillige Helfer unterstützen die Kinder außerdem bei schulischen Aufgaben und bieten Spiele, Sport und künstlerische Aktivitäten. Im Bernhard-Nordkamp-Center in Katutura ist man besonders stolz auf den Kinderchor, der mit Hilfe einer amerikanischen Initiative bereits eine CD produziert hat.
Über die tägliche Mahlzeit hinaus genießen die Kinder den sozialen Zusammenhalt und die emotionale Unterstützung, die sie im Zentrum erfahren. Neben der gemeinsamen Nachmittagsgestaltung gehören dazu auch Feste und Ausflüge, die Freude in ihren Alltag bringen.
Im November 2006 überreichte der Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit, bei einem Besuch in Windhoek einen symbolischen Scheck mit unserer Spende an den OEF.